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06
März
2016

Was will Russland in Syrien?

von Tony Cartalucci

Was will Russland in Syrien?

Von Tony Cartalucci

Die westlichen Medien haben Russlands jüngsten gemeinsame Anti-Terror-Sicherheitsoperationen mit der syrischen Regierung als ein Mittel beschrieben, mit dem es seinen Einfluss jenseits seiner Grenzen ausdehnen will. CNN geht in seinem Artikel „Petraeus beschuldigt Putin des Versuchs der Wiederherstellung des Russischen Imperiums“ so weit, dass CNN behauptet, einer der früheren US-Spitzen-Generäle hätte die Situation in Syrien mit einer historischen nuklearen Katastrophe verglichen und dabei implizit die USA kritisiert, sie würden erlauben, dass sich die Lage verschlechtere und Russlands Präsident beschuldigen, ein Imperium wiederherzustellen.

 

CNN soll auch folgendes berichtet haben:Russlands Aktivitäten in Syrien sind darauf angelegt, seinen Marinestützpunkt zu festigen und zu behalten wie auch den Luftraum entlang der Mittelmeerküste Syriens und das al-Assad-Regime zu stützen, um den russischen Einfluss im Nahen Osten zu erhalten, sagte Petreus. Und weiterhin: „Ich denke, dass Wladimir Putin gerne das russische Imperium wieder errichten möchte“.

Ironischerweise unterhalten die USA über 800 Militärbasen rund um den Globus, während sie seit 2001 Afghanistan besetzt halten und bewaffnete Operationen überall unternehmen: in Somalia, Jemen, Irak und Syrien bis zu den Grenzen von Pakistan. Russlands einziger ausländischer Militärstützpunkt ist in der Tat der Marinestützpunkt, den Petreus erwähnt. Trotz des offensichtlichen Missverhältnisses zwischen Russland und Amerika hinsichtlich der Außenpolitik führt Petreus nie näher aus, warum man Russland verdächtigt, ein „Imperium“ anzustreben, während die USA schon lange ein riesiges Imperium haben und verzweifelt dafür kämpfen, es zu erhalten.

Während Russlands Zusammenarbeit mit Syrien unzweifelhaft zeigt, dass Moskau in der Lage ist, seine Macht über seine Grenzen hinweg einzubringen, hat es derartiges nur auf Bitte der legitimen Regierung von Syrien getan und nur, nachdem alle anderen Handlungsmöglichkeiten sich als nicht umsetzbar herausgestellt hatten. Und obwohl viele die fortdauernde Krise in Syrien als „Bürgerkrieg“ bezeichnen, ist es vollkommen klar, dass sie nichts dergleichen darstellt, wenn Terroristen die zusammenkommende materielle Unterstützung erhalten und viele ihrer Kämpfer von außerhalb Syriens kommen und nicht aus dem Land selbst.

Den globalen Blitzkrieg beenden

Im Jahr 2011, als die USA und ihre Kollaborateure in der NATO und im Rat für Zusammenarbeit der Golf-Staaten (Gulf Cooperation Council, GCC) begannen, den nordafrikanischen Nationalstaat Libyen zu zerstören, wurde das als eine vereinzelte Intervention dargestellt, die sich aus der Doktrin der „Schutzverantwortung“ ergebe - oder mit anderen Worten – eine angebliche humanitäre Intervention.

Sogar bevor die Operation beendet war, wurde schnell klar, dass von Anfang an der Regierungswechsel das US-Ziel war. Dabei gab es viele militante Gruppen, die von der US-geführten Achse mit Luftschlägen und mit Waffenlieferungen unterstützt wurden, in Wirklichkeit Terrororganisationen, wie entlarvt wurde, einschließlich der vom US-Außenministerium als ausländische Terrororganisation erfasste Libysche Islamische Kampfgruppe (Libyan Islamic Fighting Group LIFG).

Kurz nach dem Sturz der libyschen Regierung in Tripolis wurde auch klar, dass die US-Militäraggression in Libyen in keiner Weise eine vereinzelte Intervention war. Fast umgehend, nachdem die Feindseligkeiten aufgehört hatten, begann der Abtransport von Waffen und Kampfgerät zum NATO-Mitglied Türkei, wo sie für das aufbewahrt wurden, was später zur Invasion von Aleppo werden sollte, der größten Stadt in Syrien.

Die Invasion von Aleppo war Teil eines breiteren US-unterstützten Plans, um die syrische Nation zu teilen und zu zerstören, gerade so wie im Fall Libyen. Darüber hinaus gibt es die fortwährende US-NATO-Besatzung von Afghanistan und die Teilung und Zerstörung des Irak nach der US-Invasion im Jahr 2003 und die seitdem erfolgte Besatzung. Wenn man dies berücksichtigt, ist das, was bekannt geworden ist, eine regionaler militärischer Plan der Eroberung, die von Nordafrika bis nach Zentral-Asien reicht und die bis an die Grenzen von Russland und China heranrückt.

Es muss auch daran erinnert werden, dass der sogenannte „Arabische Frühling“ im Jahr 2011 letztendlich als ein vorbedachtes Werk vom US-Außenministerium war, dies Jahre, bevor die Proteste anfingen, was mit Schulungen, dem Ausrüsten und Zusammenstellen von Aktivisten gegen als Ziel gesetzte Regierungen begann. Das wurde in einem Artikel der New York Times 2011 bestätigt, und zwar unter dem Titel „US-Gruppen halfen die arabischen Aufstände zu nähren“.

In diesem Artikel heißt es:Eine Anzahl von Gruppen und Individuen, die unmittelbar in die von der Region erfassten Aufstände und Reformbewegungen verwickelt waren, einschließlich der Jugendbewegung „6. April“ in Ägypten, des Bahreinischen Zentrums für Menschenrechte und der Graswurzel-Aktivisten wie Entsar Qadhi, ein Jugenführer im Jemen, erhielten Schulung und Geld von Einrichtungen wie International Republican Institute, das National Democratic Institute und Freedom House, einer Nonprofit-Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Washington (...).“

In der New York Times wurde auch zugeben, dass die in Washington ansässigen Einrichtungen alle selbst vom US-Außenministerium finanziert und geführt seien:Die Republikanischen und Demokratischen Institute sind lose mit den Parteien der Republikaner und Demokraten verbunden. Sie wurden vom Kongress gegründet und werden durch die Organisation National Endowment for Democracy finanziert, die 1983 gegründet wurde, um Zuschüsse zur Förderung von Demokratie in Entwicklungsländern zu kanalisieren. Die Organisation National Endowment for Democracy erhält jährlich ungefähr 100 Millionen Dollar vom Kongress. Freedom House bekommt auch den Großteil seines Geldes von der US-amerikanischen Regierung, hauptsächlich vom Außenministerium.

Ähnliche Operationen für einen Regierungswechsel wurden direkt an Russlands Westgrenze in der Ukraine ausgeführt, wo US-gestützte Neonazi-Kämpfer mit Gewalt die gewählte Regierung in Kiew stürzten. Als Folge des Putsch begann die Junta, jede Art von Opposition zu vernichten wie auch politische Parteien und die unvermeidbaren bewaffneten Gruppen, die sich unausweichlich gegen die Neonazi-Kämpfer auflehnten.

Und wie diese Welle von US-unterstützter globaler Destabilisierung, Krieg und „regime-change den Planeten an vielen Stellen überspülte, war der US-Anmaßung mit ihrem anfänglichen Erfolg schwer Einhalt zu gebieten.

Ein Artikel in der Zeitschrift „Atlantic“ titelt 2011 „Der Arabische Frühling: Ein Virus wird Moskau und Peking angreifen“. Darin wird genau verraten, worin das Endspiel Washingtons besteht:[US Senator John McCain] sagt: 'Vor einem Jahr waren Ben-Ali und Gaddafi nicht an der Macht. Und jetzt wird Assad nächstes Jahr nicht mehr an der Macht sein. Dieser Arabische Frühling ist ein Virus, der Moskau und Peking angreifen wird. Dann verließ McCain die Bühne.

Den Arabischen Frühling mit einem Virus zu vergleichen, ist nichts neues für den Senator – aber meines Wissens ist es die Verbindung mit Russland und China in seinem Kommentar.Diese unflätige Äußerung von Senator McCain widerspiegelt einen Triumphalismus auf der Konferenz. Der Arabische Frühling wird darin als Ergebnis westlicher Planung angesehen – und möglicherweise als Mittel, um andere nicht-demokratische Regierungen anzugehen.

Nach Abwägen der Kommentare von US-Politikern, der dokumentierten Belege für den geschickt in die Wege geleiteten sogenannten „Arabischen Frühling“ und der regime-change-Operationen in der Ukraine wird klar, dass der „Arabische Frühling“ in der Tat ein unzweifelhaftes „Ergebnis westlicher Planung“ war und ein „Mittel“, das die USA vollkommen gezielt ausfindig gemacht haben, um es gegen den Rest der Welt einzusetzen, einschließlich Moskau und Peking.

Im Jahr 2011 wurde der Gebrauch militärischer Gewalt nicht vollkommen verstanden, als es darum ging, mit den Hinterlassenschaften fertig zu werden, die aus US-gestützter politischer Destabilisierung herrührten. Sieht man sich die USA an mit ihrer Zerstörung von Libyen, Syrien und der Ukraine mittels direktem Krieg und in Form von Stellvertreterkrieg, wird klar, dass die USA an einer Art langsamer Blitzkrieg der 4. Generation arbeiten. Blitzkrieg deshalb, weil Nazi-Deutschland damit blitzschnell in den 30ger und 40ger Jahren Westeuropa, Teile von Nordafrika und Osteuropa eroberten und versuchten, Russland zu erobern.  

Es ist klar, dass heute Russland kein Interesse daran hat, ein „Imperium“ aufzubauen. Stattdessen ist ihm daran gelegen, die offensichtliche Welle westlicher Eroberungen zu stoppen, die letztlich und eingestandenermaßen auf Moskau selbst zielt.

Russland will Gleichgewicht 

Russlands Beziehung zu Syrien ist vollkommen anders als die Beziehung der NATO zur gegenwärtigen Junta in Kiew in der Ukraine. Syrien ist eine souveräne Nation mit ihren eigenen unabhängigen Institutionen und Regeln, die seit langem bestehen. In der Junta von Kiew sind buchstäblich Ausländer mit dabei, die direkt das Schicksal der Ukraine und ihrer Menschen bestimmen. Russland, das Partner sucht und Washington, das folgsame Stellvertreter sucht, machen den Unterschied aus zwischen einer bestehenden unipolaren Welt, die der Westen versucht, beizubehalten und der multipolaren Welt, die Russland und andere emporkommende Nationen bestreben, an Stelle der ersteren zu errichten.

Russlands ist in Syrien engagiert, um zuerst die Welle von Instabilität und militärischer Eroberung zu stoppen, die unweigerlich auf Moskau selbst abzielt, und dann, um ein Gleichgewicht der Kräfte in der ganzen Welt herzustellen, wo zukünftig das Anstiften solcher Wellen praktisch unmöglich wird.

Das ist nicht nur Russlands festgelegte Politik, sondern auch das, was es nachweislich geopolitisch anstrebt. Die Basis für seine Rechtmäßigkeit und wachsenden Einfluss ist seine Einhaltung des internationalen Rechts, die Achtung der nationalen Souveränität und Förderung dieser multipolaren Zukunft. Sobald Moskau diese Grundsätze verrät, wird es seine Rechtmäßigkeit und seinen Einfluss einbüßen und sich dem Westen anschließen mit seiner wachsenden Bedeutungslosigkeit und Isoliertheit auf der Weltbühne.

Auf der Seite des Westens haben Kreise der Politik und Medien mit viel Aufwand dafür gesorgt, dass nicht nur Russlands Zukunftsvision einer multipolaren Welt möglichst unerwähnt bleibt, sondern auch, dass Russland als ausgesprochen neo-imperialistisch dargestellt wird, eine Fiktion, die aber im Westen Realität ist.

Libyen ist schon zerstört, Irak in Kämpfe verwickelt und sollte Syrien fallen, dann ist der Iran an der Reihe, sogar gemäß der US-eigenen Politik-Papiere. Betrachtet man die Landkarte, dann entdeckt man, dass nach dem Iran nicht mehr viel kommt, um die Horden von US-gestützten Terroristen daran zu hindern, in den Süden von Russland hinein zu fluten. Moskau war gefordert, einen Punkt zu benennen, eine rote Linie gegen solchen Plan des Westens zu ziehen. Dieser Punkt ist offensichtlich in Syrien erreicht.

Beim Betrachten einer Landkarte sehen wir nicht ein Russland, das sich sein Imperium vergrößert, sondern ein Russland, das gegen die Destabilisierungen in seiner nächsten Umgebung kämpft, bevor diese Russland selbst treffen. Was sucht Russland in Syrien? Es sucht das, was alle anderen Nationen suchen und wozu sie berechtigt sind: Selbsterhalt.

Russland baut kein Imperium auf, es ist bestrebt, eines zu stoppen, das seine Existenz bedroht, indem es seine Grenzen erreicht mittels Stellvertreter, die Neonazis, Terroristen und selbst NATO-Kräfte einschließen.

Quelle: „Information Clearing House“, „NEO“, 6. Oktober 2015, Tony Cartalucci wohnt in Bangkok und ist Geopolitik-Forscher und Publizist, besonders für das Online-Magazin “New Eastern Outlook”, übersetzt für GEHEIM aus dem Englischen von Jan Lenkait; lediglich leicht von der GEHEIM-Redaktion bearbeitet

Categories: Archiv Blogs

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