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21
Oktober
2017

Interview mit M. Opperskalski

Muslim-Markt interviewt Michael Opperskalski, Gründer des Magazins GEHEIM

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Michael Opperskalski wurde 1957 in Köln geboren. Er hat Geschichte, Völkerkunde und politische Wissenschaft an der Universität zu Köln studiert. Er war bereits während seiner Studienzeit aktiv in der Studentenbewegung tätig und war damals auf mehreren nationalen wie internationalen linken und antiimperialistischen Plattformen aktiv. Inzwischen arbeitet er als Journalist und Autor und ist einer der Gründer und Redaktionsmitglied des geheimdienstkritischen Magazins GEHEIM. Er hat verschiedene Bücher veröffentlich, die teilweise in verschiedene Sprachen übersetzt worden sind. Dazu zählen: "CIA in Iran", "CIA in Westeuropa", "CIA in Mittelamerika", "CIA: Club der Mörder", MOSSAD: Israels Auftragskiller und Geheimagenten". Durch seine Teilnahme an verschiedenen Seminaren in Europa, Afrika, Lateinamerika und vor allem in islamischen Ländern und den damit verbundenen Reisen hat er viele Kontakte aufgebaut.

MM: Sehr geehrter Herr Michael Opperskalski, sie gehören noch zu der Generation, die mit dem Begriff Befreiungstheologie in Nicaragua etwas anfangen kann. Was hat sich seither an dem Imperialismus der USA gegenüber Mittelamerika verändert?

Opperskalski: An diese Zeiten kann ich mich noch sehr gut erinnern, zumal ich persönlich nach dem Sieg der sandinistischen Revolution in Nikaragua war und dort Vertreter der Befreiungstheologie treffen durfte. Meine persönlichen und journalistischen Erfahrungen in diesem Land wie auch in Mittelamerika und der Karibik waren für mich ein sehr intensives Lernen, das an andere Erfahrungen anknüpfte und mein Leben bis heute geprägt hat. Am grundlegenden Charakter des US-Imperialismus hat sich nichts Wesentliches geändert, aber inzwischen leben wir in der Periode der so genannten „Neuen Weltordnung“, die gerade in den letzten Jahren von zwei Elementen bestimmt wird, was sie von den Zeiten meiner Besuche in Mittelamerika und der Karibik unterscheidet.

MM: ... und die wären?

Opperskalski: Das ist zum einen der tendenzielle Niedergang des früher absolut dominierenden US-Imperiums auf politischem, ökonomischem und sogar militärischem Gebiet und damit die immer stärker werdende Rolle imperialistischer Konkurrenten aus dem Westen, wie auch der Bundesrepublik Deutschland. Zum anderen spielen dabei die unterschiedlichsten Kräfte des Widerstandes eine immer bedeutendere Rolle. Dies sind in Lateinamerika Länder wie Venezuela, Bolivien, Ekuador, Kuba und Nikaragua; im Nahen und Mittleren Osten ist dies die „Achse des Widerstands“. Das alles bedeutet für das Land und die Region, auf die Sie mich ansprachen, eine Fortführung der verschiedensten Versuche des pro-westlichen Regime Change – auch in Nikaragua – mit allerdings mehr operativen „Spielern“ als in früheren Zeiten. Hatte man es in Managua oder Havanna in den „alten Zeiten“ in erster Linie mit den USA zu tun, die mit allen Mitteln versuchten, den von ihr so abfällig bezeichneten „Hinterhof“ unter Kontrolle zu halten, so sind heute auch die US-Konkurrenten aus Europa in der Region aktiv, um sich dort ein „Stück vom Kuchen“ abzuschneiden. Was jedoch geblieben ist, sind ökonomische Ausbeutung, Korruption, massive Geheimdienstaktivitäten von Mediendesinformationen bis hin zu Mordanschlägen und Putschversuchen!

MM: Sie haben bereits im Jahr 1982 das erste Buch in deutscher Sprache herausgebracht über die Machenschaften der CIA im Iran, das auf die Dokumente zugreifen konnte, welches die Studenten aus den damaligen Papierschreddern in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt hatten. War die Islamische Revolution im Iran, die drei Jahre zuvor den Schah vertrieben hat, aus Ihrer Sicht eine Art Wendepunkt in der Geschichte des westlichen Imperialismus?

Opperskalski: In der Tat, aber vor allem in Verbindung mit dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran 1979. Diese Revolution war im vergangenen Jahrhundert - neben der Oktoberrevolution in Russland 1917 – das bedeutendste lebendige Zeugnis dafür, dass ein Volk in der Lage ist, einen noch so brutalen und scheinbar überlegenen Gegner zu besiegen, wenn es im Willen, der Tat und Überzeugung möglichst einig ist, wobei die Führung eine ganz besondere Rolle spielt. Im Iran war dies Imam Chomeini! Das durch die Revolution gestürzte faschistische Schah-Regime war nicht nur eine Marionette der USA, sondern vor allem auch der nordamerikanische Gendarm im Nahen Osten. Dementsprechend agierte es auch mit buchstäblich allen Mitteln. Das mit Teheran in diesen Zeiten auf das engste liierte zionistische Regime in „Israel“ funktionierte komplementär im Sinne Washingtons. Dieses imperialistische Instrumentarium wurde durch den Sieg der Islamischen Revolution zerbrochen und seither dient der Iran als wesentlicher Bestandteil der „Achse des Widerstands“ – neben der libanesischen Widerstandsorganisation Hezbollah, Syrien, den kämpfenden Palästinensern oder den revolutionären Kräften im Jemen – als Orientierungspunkt für Viele, die Widerstand leisten wollen. Von daher sind zum Beispiel auch die guten Beziehungen Irans mit Venezuela oder Nikaragua verständlich. Das macht es ebenso erklärlich, dass der imperialistische Westen bis heute und wieder einmal mit allen Mittel versucht, die Entwicklung im Land um 180 Grad zurückzudrehen, um Teheran wieder auf „alten Kurs“ wie zu Zeiten des Schahs zu bringen.

MM: Was sind die Folgen?

Opperskalski: Das geht von militärischer Aggression bis hin zu Mordanschlägen, medialen Schmutzkampagnen bis hin zu wirtschaftlichen Destabilisierungen. Nicht zu unterschätzen sind dabei jene Kräfte im Iran, die ihre westlichen Vorbilder anhimmeln und zum Teil sogar bereit sind, sehr bewusst ihre Auftragsgeber in Washington, London, Paris oder Tel Aviv bei der Umsetzung destabilisierender Operationen gegen ihre Heimat zu unterstützen. Über diese Szenarien gibt es inzwischen ungezählte Beweise und Enthüllungen. Manches davon stammt auch aus meiner Feder…

MM: Wie kam es zur Gründung des Magazins GEHEIM, was war Ihre Motivation?

Opperskalski: Die Gründung des Magazins GEHEIM steht tatsächlich im Zusammenhang mit dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran und der kurz darauf erfolgten Besetzung der US-Botschaft in Teheran – auch “Netz der Spione“ genannt – durch revolutionäre islamische Studenten, denen eine Unmenge von geheimen CIA-Dokumenten in die Hände gefallen waren. Ich konnte 1979 den Iran besuchen und sprach sehr intensiv mit den revolutionären islamischen Botschaftsbesetzern, die mir viele der erbeuteten Dokumente übergaben, die überzeugende Beweise für die jahrzehntelangen blutigen und terroristischen CIA-Operationen gegen den Iran sind. Man bat mich, diese, soweit es geht, zu veröffentlichen und versprach zugleich, mir noch mehr Material zukommen zu lassen. Das geschah dann auch. Schon von meinen ersten Veröffentlichungen hörten die Sandinisten in Nikaragua, die es ja mit dem gleichen Feind und seinen skrupellosen Aktivitäten zu tun hatten. Man bat mich deshalb, mit möglichst vielen der in Teheran gefundenen CIA-Dokumenten (in Kopie) nach Managua zu kommen, um mit Hilfe einer akkuraten Analyse dieses Materials konkrete Abwehrmechanismen gegen Destabilisierungen unterschiedlichsten Charakters entwickeln zu können. So landete ich also in Managua…

MM: ... wie ging es in Managua weiter?

Opperskalski: Dort war ich nicht nur hinsichtlich der Dokumentenanalyse behilflich, sondern traf außerdem noch Kollegen aus den USA, die seinerzeit für die beiden geheimdienstkritischen (und damit Anti-CIA) Publikationen „CovertAction Information Bulletin“ und „CounterSpy“ arbeiteten. Denen war gerade durch die neue US-Administration unter Ronald Reagan mit einem eigens geschaffenen Gesetz („Identities Protection Act“) Teile ihrer Publikationstätigkeit illegalisiert worden. Noch vor meiner Nikaragua-Reise war ich in der BRD mit dem exilierten ehemaligen CIA-Agenten Philip Agee in Kontakt gekommen, mit dem sich in der Folgezeit eine rege Zusammenarbeit entwickelte. Mit alledem landete ich inmitten von spannenden, anstrengenden und herausfordernden Diskussionen, in denen es im Kern darum ging, zu prüfen, ob es in der BRD möglich wäre, die in den USA verbotenen journalistischen Projekte in irgendeiner Form in diesem Land fortzuführen.

MM: War es möglich?

Opperskalski: Am Ende kam 1985 (!) das Magazin GEHEIM dabei heraus, das wie zu den Gründerzeiten das Ziel verfolgt, unabhängig und unbequem Selbsthilfe für Alle zu geben, die sich gegen schmutzige Tricks von Geheimdiensten, Destabilisierungen oder Mediendesinformationen aktiv wehren wollen. Das hält uns jung, trotz einiger Jahrzehnte auf dem Buckel und ist zugleich nur eine sehr gekürzte Version einer viel längeren Geschichte. Wer mehr erfahren will, der gehe einfach auf unsere Webseite www.geheim-magazin.de.

MM: Seither sind Sie viel umhergereist, darunter auch in den Libanon und hatten auch keine Berührungsängste mit Vertreter der Hizbullah zu sprechen. Das hat Ihnen unter anderem den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Wie gehen Sie damit um?

Opperskalski: Wie soll man mit Medienkampagnen umgehen, zumal es Belege für ihre Urheber gibt, frage ich Sie umgekehrt? Tatsache ist, und das ist belegbar, dass die Urheber dieser „Vorwürfe“ letztlich in Tel Aviv beim MOSSAD sitzen und sich dabei willfähriger Spannmänner auch in Deutschland bedienen. Das zionistische Regime in „Israel“ und sein Geheimdienst MOSSAD sind von ihrem Charakter her terroristisch. Bei der libanesischen Widerstandsbewegung Hizbullah handelt es sich um eine tatsächliche Befreiungs- und Anti-Terrororganisation. Sehr viele ihrer ideologischen und politischen Überzeugungen erinnern frappierend an die von Ihnen zu Beginn des Interviews erwähnte Befreiungstheologie. Daher ist sie von Beginn ihrer Gründung an das Ziel von gezielten Terror- und Mordaktionen; das zionistische Regime „Israels“ hat sogar mehrere Kriege gegen Hizbullah geführt, um diese Befreiungsorganisation als Hoffnung und Kristallisationskern für ungezählte Menschen in der gesamten Region zu zerschlagen. Darüber zu informiere sehe ich als meine Aufgabe und gehe genau auf diesem Weg mit dem von Ihnen erwähnten „Vorwurf“ um!

MM: Auf Ihrem Facebook-Account hält eine dunkel gekleidete Muslima ihre Hand hoch mit dem Peace-Zeichen und hält darin unübersehbar ein Foto von Imam Chamene'i. Fürchten Sie nicht als Sympathisant des "Mullah-Regimes" diffamiert zu werden?

Opperskalski: Wieso sollte ich das fürchten, kenne ich doch die Urheber solcher Diffamierungen? Gehen wir dem auf dem Grund, finden wir wieder zionistische Kreise und deren Anhänger, zusätzlich jedoch auch exil-iranische Kräfte, die nachweislich willfährige Instrumente des Westens, teilweise auch mit terroristischem Hintergrund, sind. Mit der Formulierung „Mullah-Regime“ bewegen Sie sich, sicherlich ungewollt, auf den Pfaden derjenigen, die die Islamische Republik Iran mit Schmutzkübeln an übler Propaganda überziehen. Also habe ich Nichts in dieser Hinsicht zu fürchten, allerdings sehr offensiv und begründet damit umzugehen, dass ich in der Tat ein bekennender Sympathisant der Prinzipien des Islamischen Revolution im Iran bin. Das Bild auf Facebook, dass Sie ganz konkret ansprechen, finde ich einen sehr schönen Ausdruck für die lebendigen Aspekte der Islamischen Revolution im Iran, die diametral zu den Propagandabildern stehen, die leider in westlichen Ländern orchestriert werden!

MM: Nun gilt bekanntlich ein Sympathisant der Islamischen Republik Iran in Deutschland als Verfassungsfeind. Gleich in mehreren Verfassungsschutzberichten wurde die Sympathie zum System der Islamischen Republik Iran als Opposition zu Westlichen Werten beschrieben und die Anhänger als Verfassungsfeinde. Sind Sie ein Verfassungsfeind?

Opperskalski: Wer definiert diese angebliche „Verfassungsfeindlichkeit“? der so genannte „Verfassungsschutz“, der Teil einer Struktur bundesdeutschen Sicherheitsstruktur ist. Diese ist ganz real und in ihrer Geschichte wie auch aktuell bräunlich gefärbt. Die Gründungsväter des so genannten „Verfassungsschutz“ waren Nazi-Verbrecher aus SS und Gestapo; der Dienst hat seither bis heute immer wieder mit nazistischen Agent Provokateur zusammengearbeitet, diese gelegentlich gar gefördert. Entsprechende Skandale durchziehen die vergangen Jahrzehnte. Das wiederum macht es verständlich, aber natürlich unverzeihlich, dass der so genannte Verfassungsschutz sehr eng mit dem Geheimdienst SAVAK des gestürzten faschistischen Schah-Regimes zusammengearbeitet hat und in diesen Tagen aktiv anti-iranische Terror-Kräfte wie der PJAK oder der so genannten „Volksmodjahedin“ logistische unterstützt. Kurzum: Um die Demokratie und die Verfassung in der BRD tatsächlich und wirksam zu schützen, ist dieser so genannte Verfassungsschutz ersatzlos aufzulösen und juristische Untersuchungen gegen seine Verantwortlichen einzuleiten! Ich selber werde seit Jahrzehnten von unterschiedlichen operativen Maßnahmen der bundesdeutschen Geheimdienste überzogen. Diese bringen mich aber nicht zum Schweigen! Wer kämpft, der kann verlieren. Wer jedoch nicht kämpft, der hat schon verloren! Allah ist jedoch mit den Standhaften!

MM: Herr Opperskalski, wir danken für das Interview.

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